Rechtstipp 2/2018

Regressgefahr begegnen und einschätzen

Die vertragsärztliche Tätigkeit wird durch drei Faktoren eingeschränkt, deren Nichtbeachtung bzw. Nichteinhaltung mit Rückzahlungen sanktioniert werden (können). Hierbei handelt es sich um Wirtschaftlichkeit, Zeitvorgaben und Praxisbudgets. Vor allem der Ruf nach Abschaffung der Praxisbudgets wird in der letzten Zeit immer lauter. Zumindest sollen die Grundleistungen unbudgetiert vergütet werden. Nachfolgend werde ich darstellen, warum diese Forderung falsch ist und wie Sie für Ihre Praxis das Beste an Honorar herausholen können:

Gestaltung der Honorarverteilung

Seit 2012 liegt die Verteilungsentscheidung über die morbiditätsbedingte Gesamtvergütung der Kassen bei der jeweiligen KV nach § 87a SGB V. Das bedeutet, dass jede KV für ihren Bezirk die Regeln bestimmen kann, welche Leistungen innerhalb der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung 1 zu 1 und welche budgetiert vergütet werden. So vergütet z.B. die KV Rheinland-Pfalz seit 2012 die Grundleistungen jeder Fachgruppe voll, budgetiert dafür alle anderen Leistungen. Da jedoch die meisten KVen weiterhin an der RLV/QZV Systematik festhalten, wird die Politik bzw. Gesetzgeber für die Ausbudgetierung nicht sorgen können.

Anpassungen des RLV Budgets/Praxisbudgets

Jede Honorarverteilung enthält Ausnahmetatbestände, wann die budgetierten Teile der Vergütung nach oben angepasst werden können. Meist geht hier eine bedarfsplanungsrelevante Veränderung in der Praxisstruktur (z.B. Hinzunahme eines Arztsitzes, Änderung der Arbeitszeiten eines angestellten Arztes) oder eine erhebliche Änderung der Leistungsmenge (der abgerechneten Leistungen) nach oben oder unten. In diesen Fällen muss der betroffene Arzt oder Praxis einen Antrag bei der zuständigen KV auf die Anpassung des Budgets stellen. Das geht auch meist nach Erhalt des Honorarbescheides im Rahmen des Widerspruchsverfahrens gegen den jeweiligen Honorarbescheid. Eine Anfrage beim fachkundigen Abrechnungsberater kann Ihnen schnell und kostengünstig die Erfolgsaussichten einer Anpassung aufzeigen. 

Spezialisierung lohnt sich

Auch wenn die budgetierte Vergütung den Hauptanteil der Honorare ausmacht, sollte jede Praxis schauen, ob sie sich nicht auf einen Bereich, in dem auch besonders förderungswürde Leistungen (also meist unbudgetiert vergütet innerhalb der Gesamtvergütung) oder extrabudgetäre Leistungen. So wird z.B. gerade Einsatz der näPa verstärkt gefördert oder aber auch Heimbesuche. In vielen KVen sind auch bei den Hausärzten auch geriatrische und palliative Leistungen weitestgehend unbudgetiert innerhalb der Gesamtvergütung zu verfügbar. Eine Analyse durch einen kompetenten Abrechnungsspezialisten kann einige Potenziale in Ihrer Praxis aufdecken.

Gemeinsame Berufsausübung lohnt sich

Für die gemeinsame Berufsausübung, außer im Rahmen des Jobsharings, gibt es einen 10% Zuschlag auf das Praxisbudget. Daher lohnt sich die Gründung einer BAG oder eines MVZ aus gebührenrechtlicher Sicht auf jeden Fall.

Zusammenfassend empfehle ich, vor allem bei Veränderungen in der Praxis betreffend neues ärztliches Personal zu überprüfen, welche Auswirkung auf das Praxisbudget diese Maßnahme hat. In den nächsten Ausgaben werde ich Ihnen zeigen, wie sich die Begrenzungen der Wirtschaftlichkeit und die zeitvorgaben auf Ihre Praxis auswirken und wie Sie ganz einfach die Regressgefahr für Ihre Praxis einschätzen und ggfl. minimieren können.